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Informationsbüro für Psychotherapie & Alternativen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Individualpsychologie nach Adler (IP)VESUV-Standardtext (Kurzfassung) Begriff: Die Individualpsychologie nach Adler ist ein
tiefenpsychologisches Verfahren auf normalpsychologischer Grundlage mit
biographisch-gesprächsorientierter Vorgehensweise. Geschichte: Der Wiener Psychiater Alfred Adler (1870-1937) distanzierte sich nach mehrjähriger Mitarbeit in der psychoanalytischen Arbeitsgruppe um Sigmund Freud von dessen "biologistischer" Trieblehre und betonte eine sozialpsychologische Perspektive in der Tiefenpsychologie. Er begründete die Individualpsychologie 1911 in Wien als eigene Forschungs- und Therapierichtung. Von Adler gingen wesentliche Impulse für die Entwicklung der Psychotherapie und Pädagogik aus. In sog. Ambulatorien wurden erstmalig Ehe-, Familien- und Sexualberatung eingeführt und Ansätze von Gruppentherapie erprobt. Auf Adlers Anregung entstanden die ersten Wiener Erziehungsberatungsstellen; ihr Konzept wurde in den USA, England und Deutschland weiterentwickelt. Als psychotherapeutisches Verfahren ist die Individualpsychologie heute vor allem in deutschsprachigen Ländern und den USA vertreten. Sie ist in Deutschland seit den 70er Jahren als Heilbehandlung von Krankenkassen anerkannt. Der Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie (DGIP) gehörten 1995 knapp 1800 Mitglieder an. Ziele: Psychotherapie: Heilung von psychischen
und psychosomatischen Störungen aller Art. Aufhebung der "neurotischen
Einstellung zum Leben", Korrektur "verzerrter Leitbilder"
in Richtung größerer Wirklichkeitsnähe, Entwicklung von
"Kooperationsfähigkeit für Arbeits- und Liebesbeziehungen",
Aufbau eines "Gemeinschaftsgefühls" als Voraussetzung für
Übernahme sozialer Verantwortung und damit Gesundung. Vorgehensweise: IP wird als Einzel-, Gruppen-, Paar- und Familientherapie angeboten. Nach Klärung der gegenseitigen Erwartungen wird ein Arbeitsbündnis für die therapeutische Zusammenarbeit abgesprochen. Die Einzeltherapie findet nach individueller Einschätzung im Sitzen oder im Liegen statt. In der individualpsychologischen Kurz- oder Fokaltherapie soll mit dem diagnostischen Hilfsmittel der ausführlichen Betrachtung der Lebensgeschichte (Anamnese) und durch gezielte Fragen möglichst früh das zentrale Problem der KlientIn aufgedeckt werden. Dabei arbeiten KlientIn und TherapeutIn heraus, wie das Problem im persönlichen Lebensstil der KlientIn seinen Ausdruck findet. Die TherapeutIn analysiert die Stellung in der Geschwisterreihe, Kindheitserinnerungen, Träume, gegenwärtige Konflikte und die Beziehung, die zwischen KlientIn und TherapeutIn entsteht. Die individualpsychologische analytische Psychotherapie arbeitet mit den wesentlichen Methoden der psychoanalytischen Verfahren, der freien Assoziation in der Regression, der Klärung und Deutung unbewußter Zusammenhänge und der Analyse der Übertragung. Die individualpsychologische Praxis basiert dabei auf einem ganzheitlichen, die individuelle Lebensbewegung und deren soziale Verflechtung ins Zentrum rückenden Menschenbild. In der therapeutischen Übertragungsbeziehung bringt die KlientIn der TherapeutIn ähnliche Gefühle und Einstellungen entgegen wie den wichtigen Bezugspersonen der Kindheit. Als Schwerpunkte des therapeutischen Prozesses werden neurotische Einstellungen und scheiterndes Problemlösungsverhalten durch Erarbeiten neuer Lösungen korrigiert, realitätsgerechtere Leitbilder aufgebaut und Alternativen zum bisher unangemessenen Verhalten eingeübt. Theorie: Verletzte Gefühle der Kindheit führen nach Ansicht der Individualpsychologie zu einem gestörten Selbstwertgefühl (Minderwertigkeitsgefühl) und bilden den Ursprung seelischer Störungen. Sie sind verbunden mit einem Gefühl der Unterlegenheit und einem nicht ausreichend entwickelten Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl. Das Mißlingen normaler Ausgleichsversuche für das Unterlegenheitsgefühl führt zu übermäßigen Ausgleichsanstrengungen (Überkompensation), die in seelische Krankheit und Neurose mit einer Vielzahl von Symptomen münden können. Die Kompensationsversuche, die sich z.B. als Überlegenheitsstreben oder Vermeidungsstrategien äußern können, sind dem Menschen als geheime Ziele seines neurotischen Verhaltens unbewußt. In der Therapie sollen diese Ziele und die verletzten Gefühle der Kindheit durch intensives Wiederbeleben bewußt gemacht und bearbeitet werden und zu einer Korrektur des Minderwertigkeitsgefühls führen. Der Zugang zum Unbewußten soll mit den Methoden der Analyse von Lebenssituation, Kindheitserinnerungen, Träumen und Übertragungsbeziehung gefunden werden. Ethische Unbedenklichkeit: Ziele und Vorgehensweise widersprechen nicht humanen Grundsätzen. Angestrebt werden Mut zur Unabhängigkeit, Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft und demokratischer Lebensstil. Erprobtheit, Risiken und Wirksamkeit: Das Verfahren
wurde seit den 70er Jahren regelmäßig im Rahmen von kassenfinanzierten
Krankenbehandlungen eingesetzt, ohne daß gravierende verfahrenstypische
Risiken und Nebenwirkungen bekannt geworden wären. Eine Vielzahl
von Fallberichten und subjektiven Erfahrungsberichten sprechen von der
Wirksamkeit des Verfahrens bei unterschiedlichen psychischen Störungen. Zusammenfassung: Ethisch vertretbar. Nur begrenzt erprobt. Noch ohne ausreichenden Wirkungsnachweis für die Behandlung von Personen mit psychischen Erkrankungen. Mit geregelten, auch heilkundlichen Ausbildungsgängen. Verwendete Literatur:
Web-Adressen zum Thema: AnbieterInnen-Verbände:
AutorIn: J. Pieper (1994), überarbeitet (2002) - Text: v_ip5-b - Aktualisiert: 05.10.02
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