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Körperorientierte Verfahren
Verfahrens-Kurzübersicht
Zu den Körperorientierten Verfahren zählen wir - ungeachtet
dessen, ob sie eine (psycho-)therapeutische Zielsetzung haben oder »bloß«
gesundheitsfördernd sein wollen - :
- Tiefenpsychologisch beeinflußte körperorientierte Verfahren
(unter Einsatz unterschiedlicher Vorgehensweisen - darunter bewegungs-,
atem- und berührungsorientierten), wie
- Vegetotherapie nach Reich und deren Weiterentwicklung
SKAN (aus der Sprache der Lakota-Indianer: Das, was sich bewegt«).
Auf Grund der zahlreichen theoretischen Annahmen beider Verfahren,
die das wissenschaftliche Gerüst psychologisch fundierter Verfahren
überschreiten, könnten sowohl die Vegetotherapie als auch
SKAN unter die Spirituellen Verfahren eingeordnet werden. Wegen
ihrer tiefenpsychologischen Wurzeln werden sie aber an dieser Stelle
aufgeführt
- Bioenergetische Analyse nach Lowen
- Biodynamik nach Boyesen
- Biosynthese nach Boadella
- einige andere weniger bekannte Verfahren, die mit den vorgenannten
eng verwandt sind, darunter Biorelease und Psychorganische
Analyse
- und einige neuere tiefenpsychologisch-körperorientierte Ansätze,
wie die von Tilman Moser und anderen, die sich enger am
klassisch tiefenpsychologischen Ansatz orientieren
- Bewegungsorientierte Verfahren, wie
- Integrative Bewegungstherapie (IBT), ein Verfahren mit
engen Verbindungen zur Gestalttherapie - Text in Vorbereitung -
- Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) - Text in Vorbereitung
-
- Focusing nach Gendlin (mit engen Verbindungen zur klientenorientierten
Gesprächspsychotherapie)
- Hakomi-Therapie (mit Verbindungen zur Tiefenpsychologie)
- Eutonie nach Gerda Alexander
- Feldenkrais®
- Tanztherapie
- aber auch weniger bekannte Verfahren wie Alexander-Technik,
Bewegungsanalyse nach Laban und andere mehr
- Atemorientierte Verfahren, wie
- Atemtherapie nach Middendorf (»Der erfahrbare Atem«)
- Atemtherapie nach Schlaffhorst-Andersen
- Psychotonik nach Glaser
- Primärtherapie nach Janov (»Urschrei Therapie«):
Vorsicht, Hyperventilationstechniken können gefährlich
sein!
- Berührungsorientierte Verfahren (mit dem Ziel, die menschliche
Psyche zu beeinflussen), wie
- Rolfing (Massage)
- Akupressur
- andere, meist schlecht definierte Verfahren bzw. Vorgehensweisen,
wie z. B. »Tiefenmassage«, »Entspannungsmassage«,
»Intuitive Massage«
- Andere körperorientierte Verfahren, wie
- »Schreitherapie« nach Casriel (Bonding, New
Identity), häufig im Zusammenhang mit Drogentherapie eingesetzt
- andere, meist schlecht definierte Verfahren bzw. Vorgehensweisen
wie z. B. »Körperarbeit
Diese Aufzählung körperorientierter Verfahren ist in keiner
Weise vollständig (es entstehen immer neue »Verfahren«
bzw. Verfahrensweiterentwicklungen), aber die verbreitetsten Verfahren
sollten aufgelistet sein.
Die vorgenommene Strukturierung ist durchaus anfechtbar. Das liegt einerseits
an den diversen Theorie-Elementen, die von körperorientiert vorgehenden
TherapeutInnen übernommen wurden (darunter viele, aber keineswegs
ausschließlich tiefenpsychologische) und eine eindeutige Zuordnung
schwer machen.
Es liegt auch daran, daß es in diesem Bereich beliebt ist, alle
möglichen Vorgehensweisen und Techniken zu kombinieren.
Es liegt aber schließlich und nicht zuletzt auch daran, daß
ein großer Teil der körperorientiert arbeitenden TherapeutInnen
(bzw. TrainerInnen bzw. »bodyworker«) gerne Einflüsse
aus dem spirituellen Bereich aufnimmt. Soweit das möglich erschien,
haben wir die (mehr oder minder) eindeutig Spirituell-Körperorientierten
Verfahren an anderer Stelle aufgelistet (z. B. Posturale Integration,
Rebirthing). Aber nicht immer war dies eindeutig möglich.
Oder es gab sowohl »profane« wie auch »spirituelle«
Ausgaben der ansonsten mehr oder minder gleichen Vorgehensweise. Oder
es erschien uns, wie im Falle der Vegetotherapie, auf Grund der historischen
und theoretischen Zusammenhänge zu anderen Verfahren nicht sinnvoll.
Das Resultat mag nicht jeden überzeugen, manchen gar verärgern.
Für Verbesserungsvorschläge sind wir dankbar.
Allgemein: Körperorientierte Verfahren können
für Menschen mit psychischen Problemen hilfreich sein. Positive Erfahrungsberichte
gibt es für praktisch jedes körperorientierte Verfahren. Wissenschaftliche
Untersuchungen belegen die Wirksamkeit einiger weniger körperorientierter
Verfahren. Andererseits gibt es bei bestimmten körperorientierten
Verfahren nicht unbeträchtliche Risiken.
Grundsätzlich gilt u. E., daß körperorientierte Verfahren
und Techniken nicht für jeden Menschen mit psychischen Problemen
(jedenfalls nicht zu jedem Zeitpunkt seiner Lebensgeschichte) geeignet
sind. Die Abwehr der Betroffenen kann äußerst heftig sein und
einen sinnvollen Einsatz körperorientierter Verfahren unmöglich
machen.
Hinzu kommt, daß bestimmte Techniken (z. B. Hyperventilation) die
Betroffenen an den Rand des körperlich und psychisch Erträglichen
bringen, gelegentlich auch bis darüber hinaus. Die Folgen - meist
im Zusammenhang mit unerfahrenen oder schlecht ausgebildeten »TherapeutInnen«
- können für die Betroffenen äußerst schädlich
sein.
Wirksamkeitsuntersuchungen liegen nur für einige wenige körperorientierte
Verfahren vor und lassen sich nicht ohne weiteres auf Verfahrens-»Derivate«
übertragen.
Mehr noch als bei vielen »klassischen« Verfahren gilt daher:
Personen mit psychischen Störungen von Krankheitswert sollten sich
auf körperorientierte Verfahren beschränken, die wenig risikoreich
sind und deren Wirkung nachgewiesen ist. Sie sollten vor allem nur
AnbieterInnen in Anspruch nehmen, die eine umfassende psychotherapeutische
Ausbildung in einem wirksamen Verfahren nachweisen können und die
zur Heilbehandlung zugelassen sind.
AutorIn: H. Deters (2002) - Text:
v_kör - Aktualisiert: 02.11.2002
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