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Kommentare & Glossen
Ratschläge für Therapiesuchende
Sie wollen eine Therapie beginnen? Ein Entschluss, auf den sie sich unbedingt
vorbereiten sollten, um unliebsamen Konfrontationen gewachsen zu sein.
- Fragen sie zu Beginn nach den Ferienterminen oder schauen sie sich
im Behandlungszimmer danach um, sonst kann es ihnen passieren, dass
sie mit dem Hinweis "... dann bis in 6 Wochen" verabschiedet
werden.
- Erwarten sie nicht, dass Ferienplanungen eingehalten werden, erwarten
sie vielmehr, daß die zu den vorrangigen Interessen des Therapeuten
gehören, 100 Tage nicht ausreichend sind. Eine Kritik daran würde
als vermessen gedeutet oder den Therapeuten in Frage stellen, was wiederum
ihnen mittels Deutung angelastet würde
- Erwarten sie nicht, dass sich ihr Therapeut einem Supervisor anvertraut.
Es ist einfacher, Probleme über Patienten zu regeln, die bieten
dafür ein breites Feld ohne dass sich der Therapeut selbst korrigieren
oder weiterentwickeln müsste - er durchlief ja die Lehranalyse.
Später wird er ihnen dann vielleicht sagen, dass Sie ja wissen,
wie das bei solcher Persönlichkeitsstruktur sei, man meine das
dann selbst hinzukriegen. Zudem erhalten sie ja schon theoretisch die
angelesene wohlmeinende Grundhaltung, die ist bereits kostenintensiv,
da aufgrund eigener Problematiken oft so schwer aufbringbar. Diese Grundlage
wäre entzogen, da ein Supervisor finanziell nichts einbringt. Treten
sie notfalls selbst behutsamst ein.
- Kritisieren sie ihren Therapeuten niemals. Narzißtische Kränkungen
und die damit einhergehende Wut würden ihnen die Voraussetzung
einer empathischen Grundhaltung entziehen, (was natürlich geleugnet
oder erst später zugegeben wird) auf die sie aber angewiesen sind
- Tolerieren sie, dass ihr Analytiker sie verächtlich unterbricht,
weil er ja wieder mal ahnt, was sie da sagen wollen. Ein Aufzeigen solcher
Kommunikationstechnik würde seinem theoretischen Selbstbild schaden
- aber sie wären der Anlass und Sündenbock, hätten ihn
durch ihre Neurotik dazu verleitet. Warum er sie unterbricht bliebe
unreflektiert, da das meist seiner Abwehr dient. Und sie ja wirklich
nicht erträglich sind.
- Analytiker haben eine lange, kostspielige Ausbildung. Tolerieren sie,
dass sie darum keinen Berufswechsel vollziehen würden, falls der
ihnen nicht mehr zusagt. Verhalten sie sich so, dass der weiterhin erträglich/einträglich
bleibt
- Übergehen sie Äußerungen ihres Therapeuten wie "...
ich weiß nicht, wie es weitergehen kann", übernehmen
sie das Aufzeigen eines Weges, um nicht daran zu zerbrechen, dass der
Professionelle den nicht für möglich hält, sie nicht
wahrnahm, eben viel mehr nur sich - , alles umsonst war, sie keine Lebensperspektive
erarbeiten könnten, woran (auch) nicht einmal er glaubt! Todesurteil
also sonst für sie wäre
- Unterlassen sie Klagen über ihr Dasein. Das würde nur dazu
führen darüber zu sprechen, was das mit dem Therapeuten macht.
Aus der langen Lehranalyse ist er das gewohnt. Dass sie das aushalten
müssen, wissen sie sehr gut selbst
- Nehmen sie Hilfsangebote nicht ernst, die gehören nur als Spiel
dazu, wehe, wenn sie die dann irgendwann ernst nehmen. Sie würden
als Täter, als vermessen, als zu schwer, als ... bezeichnet. Ihre
Enttäuschung würde dazu führen, das sich der Analytiker
als Arschloch gesehen fühlt, sie ihm die Freizeit verderben, er
keinen Bock hat auf sie einzugehen und ihnen das in dieser Situation
auch sagt. Denn auch hierbei geht es bei Nichteinhaltung nur darum,
das für den Therapeuten erträglich zu machen, ihn zu entlasten.
Sie selbst kennen das ja aus ihrer Biographie und sollten damit umgehen
können. Falls sie sich bisher verleugneten, machen sie sich das
jetzt bewusst, sehen sie das als Ressource für Eigenverantwortung.
Geben sie dabei ihrem Therapeuten aber das Gefühl, wie hilfreich
er für sie ist. Da die therapeutische Beziehung theoretisch ist,
bleiben auch Hilfsangebote ebenfalls ungelebt, dürfen aber aus
Selbstschutzgründen nicht als solche benannt/erkannt werden
- Beachten sie unbedingt die Persönlichkeitsstruktur ihres Therapeuten.
Schulen sie sich, bevor sie sich das zumuten, um adäquat mit seinen
Konflikten umgehen zu können, ein Anrühren an Schwachstellen
und blinden Flecken zu vermeiden. Eine Lehranalyse ist selten optimal
durchlaufen, ein Kandidat bereits ein Auserwählter unter der Sonne.
Lassen sie ihm dieses eventuell auch dadurch bedingte grandiose Selbstbild.
Arbeiten sie an der Bewältigung seines Konflikts, dann erst wäre
ihr Konflikt dran
- Lieben sie ihren Therapeuten, der Prozess sieht das auch vor, legitimiert
und fordert das. Sie gälten sonst als nicht beziehungsfähig,
wenngleich sie keine Erfahrung mit einseitigen Beziehungen haben, die
Hierarchie von ihnen erwartet, sich unterzuordnen und zu verleugnen.
Zeigen sie sich nicht selbst, sondern so, wie ihr Therapeut sie haben
will
- Ertragen sie es, abgelehnt zu werden, in der therapeutischen Beziehung
sollte das theoretisch nicht erkennbar werden, falls sie ihren Therapeuten
persönlich erreichen, wird das direkt herausgearbeitet. Sie kennen
das ja und sollten froh darüber sein, dass es jetzt so offen benannt
wird, sie dadurch die Chance haben, ihre lebenslängliche Hoffnung
auf Angenommenseinwollen überwinden zu müssen, da sie ja ein
Kotzbrocken sind
- Vermeiden sie Handeln. Alltagshandeln wie Dankbezeugungen etc. bringen
Probleme der Abgrenzung zu ihnen, die Psychoanalyse nennt es deshalb
abzulehnendes "Agieren". Ihnen erspart das die Erkenntnis,
nichts wert zu sein, nicht einmal ihr Dank, was beim Verbalisieren allein
nicht so zum Ausdruck kommt
- Setzen sie ihren Therapeuten nicht unter Leistungsdruck. Er würde
ihnen nur sagen, dass er "das noch nicht versteht". Selbst
ihre Aussagen wie ". warum bin ich nur so blöd" als gemeinte
Abschwächung ihrer Symptomatik könnten in seiner Gegenübertragung
einen Wunsch nach Hilfe erzeugen. Übergehen sie ihren Leidensdruck.
Für 50 Minuten sollte ihnen das als Therapiefortschritt gelingen,
da ihr übriges Dasein irrelevant ist und sie mit ihrer Problematik
nach Therapieende soundso im Regen sitzen gelassen werden
- Überlegen sie beim freien Assoziieren vorher genau, was sie sagen,
um Wutausbrüche zu vermeiden, denen sie nicht gewachsen wären.
Bereits benanntes klammern sie aus, um dem Therapeuten nicht das Gefühl
zu vermitteln, dass seine Aussagen wirkungslos sind, ihr Verhalten sich
daraufhin nicht flashartig änderte - auch in Bereichen, in denen
an ihnen vorbei gedeutet wurde durch allgemeines Rumstochern bei unerkannt
gebliebener Psychodynamik. Die Psychoanalyse nennt das vorausschauend
Probedeuten
- Denken sie daran, dass es an ihrer Auffassungsgabe und Interpretation
liegt, wenn ihnen der Therapeut etwas sagt, was nichts mit ihnen zu
tun hat, nur dem Abarbeiten des Lehrbuchs mit seinen vielfältigen
Störungen gilt, da ja ihre Psychodynamik nicht erkannt wird. Irgendwann
könnte auch ihr Kapitel vorkommen
- Zeigen sie ihrem Therapeuten, wie gut es ihnen bei ihm geht. Er ist
angewiesen darauf, unabhängig davon, in welcher Entwicklungsphase
seine Problematik entstand. Vermeiden sie alles, was seinem Selbstbild
nicht gerecht wird - dieses in Frage zu stellen droht. Da vermeintlich
alles nur mit der Beziehung zu ihm zu tun haben soll, übergehen
sie Konflikte aus ihrem eigenen Dasein, er sähe darin einen Konflikt
mit ihm - was nicht sein kann aufgrund seiner wohlwollenden Grundhaltung
(festgeschrieben siehe auch Lehrbuch S. 48), als unumstößliches
Ergebnis seiner Ausbildung plus Reflektion bei seinem Lehranalytiker
- Ihr Leidensdruck sollte so groß sein, dass sie über fehlende
Absprachen des Settings, fehlende Kooperation mit ihrer Krankenkasse
in ihrer Betroffen- und Hilflosigkeit hinwegsehen. Durch den Leidensdruck
gelingt es ihnen, ihrer Wahrnehmung zu misstrauen, Missempfindungen
als sonst nicht bemerkbaren Weg einer notwendigen Veränderung zu
interpretieren, die sie zulassen müssen. Zudem würde es ihnen
andernfalls als Widerstand angelastet
- Vermeiden sie, ihre Bewältigungsstrategien (der Therapie) erkennbar
werden zu lassen, zeigen sie sich emotional. Es gibt immer Bereiche,
die ihnen übrig bleiben, um das zu demonstrieren
- Zeigen sie sich nicht emotional. Trotz 216 DM Stundenlohn führt
das zum Selbstschutz des Analytikers, sie würden rausgeworfen,
ihre Briefe zerschreddert, inhaltlich würde nichts angesprochen,
nur gesehen, was das mit dem Analytiker macht. Er muss sich nicht alles
sagen lassen, sie würden zum Täter, wenn sie sich zeigen,
ihm z. B. Briefe, "machen sie das, da es sie zu entlasten scheint",
zusenden
- Erklärungen sollten sie nur dort anwenden, wo sie den Analytiker
entlasten, reale Erfahrungen mit ihm z.B. als Übertragung deuten
(meine Mutter war es, die mich nicht wahrnahm, mein Vater strafte mich,
wenn ich wütend war; meiner Mutter musste ich für etwas, was
ich nicht empfand, dankbar sein; meine frühen Bezugspersonen verließen
mich, um selbsterfüllt möglichst wenig mit mir zu tun haben
zu müssen) Beziehen sie das niemals auf die Situation, selbst wenn
Erklärungen sonst abgelehnt werden, hier sind sie richtig und werden
auch nicht als solche gesehen. Die Psychoanalyse spricht hier vorausschauend
von Übertragung, Realität im Interesse ihrer Vertreter übergehend,
selbst wenn die 150 Tage Urlaub anstreben würden, ihre Patienten
im Treppenhaus ausschimpfen, in der Sitzung einschlafen, keinen Bock
haben, ihre Fragen zu beantworten, ihnen den Mund verbieten, sie verunglimpfen,
weil es ihnen schlecht geht usw.
- Bedenken sie, dass ihr Therapeut ein lieber Junge in seinem Beziehungsklischee
sein möchte, seine Freundlichkeit dazu dient, Wut und Aggression
zu verbergen. Gehen sie auf diesen Selbstschutz ein, spiegeln sie Freundlichkeit,
selbst wenn sie wahrnehmen, dass der liebe Junge eigentlich keiner ist.
Nur geliebt werden möchte, Schwächen nur theoretisch haben
will
- Falls ihr Therapeut mehr Urlaub hat als Lehrer ihn haben, bedenken
sie, dass er in der restlichen Zeit ganztägig hart zuhören
muss. Lassen sie keine Langeweile aufkommen. Obwohl ein Nickerchen erholsam
ist, wären sie die Ursache
- Vermeiden sie, einen therapeutischen Prozess oder eine Methode erkennen
zu wollen. Genießen sie notfalls die humane Gesprächsführung
unter Einbeziehung obiger Punkte. Als Neurotiker werden sie bald erkennen,
was ihren Therapeuten unterhält
- Die Lehranalyse rankte sich um die Problematik des Therapeuten. Da
sie sich mit ihm mehr oder weniger identifizieren, wird es ihnen kaum
auffallen, wenn in der Therapie nicht ihre eigenen Dynamiken gesehen
und ihnen gemäß bearbeitet werden. Einige Therapeuten nennen
die Lehranalyse deshalb auch Lernanalyse - eben auf jede Problematik
anzuwenden. Auf jeden Fall wird dadurch ein gutlaufender Prozess erkennbar,
da ja an ihnen vorbei therapiert wird. In Bereichen, in denen sie klar
kommen, gewinnen sie also im Ergebnis dazu - was dann (für sie
bitter) als "Therapieerfolg" gesehen wird. Aber wohl mehr
der Problematik des Therapeuten zugute kommt. Der Ihnen dann eventuell
sogar sagt, dass er viel dazugelernt hat durch sie
- Beziehen sie übertriebene Freundlichkeit nicht auf sich, die
ist aufgesetzt als Apell, sie dient oftmals nur dazu, Aggressionen zu
beherrschen, und dient der Abwehr nicht aushaltbarer Übertragungsphänomene.
Die darum auch nicht bearbeitet, nur abgewehrt werden durch die Person
des "Therapeuten". Spielen sie mit
- Zeigen sie nicht, dass sie sich unverstanden fühlen. Das würde
beim Therapeuten das Gefühl der Ohnmacht, der Handlungsunfähigkeit,
des Könnens unerträglich werden lassen, was dann nur der Schwere
ihres Falles zugeordnet würde und Distanz zu ihrer Problematik
legitimiert. Sie gälten lediglich als therapieresistent. Ein gutes
Kind weiss, was für seine Eltern gut ist. Das gilt auch für
den Therapeuten, da vermeintlich durch die Lehranalyse reflektiert,
ist das jetzt in der Behandlung der Patienten legitimiert
- Denken sie daran, dass das Privatleben Priorität hat. Trotz 216
DM Stundenlohn gilt es immer wieder zu vereinbaren, ob diese Stunde
zeitmäßig auch zu privaten Plänen passt, eventuell vorgezogen
oder über sich ergehen lassend erledigt wird. Denken sie immer
daran, dass man sich von ihnen intensivst erholen muss. Sagen sie das
aber nicht, es könnte Schuldgefühle, nein nicht auslösen,
aber ansprechen. Deren Abwehr sie als Unangemessenheit dann zu spüren
bekämen.
- Lösungen entwickeln sich aus ihnen selbst. Der Therapeut sitzt
lediglich hinter ihnen. Darum erwarten sie auch besser nichts von ihm.
Ihr Unbewusstes ist nur das, was seinem Bild von sich schadet, die subjektive
unreflektierte Gegenübertragung lässt ihnen keine Chance der
Eigenwahrnehmung.
- Nichts muss ihnen in der Benennung peinlich sein, da es keine Wirkung
hat, sie als Mensch keine Wirkung haben, vergessen und ausgeklammert
werden nach 50 Minuten. Es dient dazu, dass sich der Therapeut ihnen
gegenüber als intakter empfindet. Sie dürfen ihren Wert darin
sehen, das herzustellen, ideell und finanziell.
- Denken sie daran, dass die Bühne des Therapeuten neues Publikum
braucht, das ihm idealisierend und höflich sein festgeschriebenes
neurotisches Dasein ermöglicht
- Seine Grenzen sind Maßstab für sein Können, vermeiden
sie also, die aufzuzeigen - sie würden ihn in Frage stellen, sie
würden fallengelassen - die Psychoanalyse nennt das (für sich
selbst notwendig vorausschauend) Idealisieren - es gehört als Voraussetzung
zur Behandlung.
- Beachten sie diese Punkte gewissenhaft, sie als Hilfesuchender, Abhängiger,
Regredierter wären der Macht des Therapeuten nicht gewachsen, nachdem
sie ihre Abwehrmechanismen aufgegeben haben
- Wenn sie ihren Therapeuten lieben, bescheren sie ihm einen freien
Therapieplatz für einen weniger anstrengenden "Patienten",
der sich zur Kompensation eigener Neurotik besser eignet.
- Betrachten sie notfalls - aber nur dann, in der unreflektierten Wiederholung
ihres Konflikts - die Therapie als Manifestation ihres neurotischen
Verhaltens, dem sie jetzt endlich bewusst den Sinn geben können:
Sie überlebten (ihre unreflektierte reinszenierte Kindheit)
- Sonst gibt's endlich - leider für sie zu spät - Supervision!!
Elena K. Degepete
Elena K. Degepete (Pseudonym) ist Psychotherapiegeschädigte.
Sie lebt in Deutschland. Ihre Glosse (geschrieben 2000/2001) wurde erstveröffentlicht
unter www.sgipt.org/th_schul/pkrit/degepet0.htm
Hier können Sie auch über die realen Hintergründe der Glosse
nachlesen.
Wenn Sie Anmerkungen zu diesem Text machen möchten, benutzen Sie
bitte unser Leserbrief-Forum.
Und geben Sie dort bitte unbedingt an, auf welchen Text Sie sich beziehen.
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