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Informationsbüro für Psychotherapie & Alternativen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Erfahrungsberichte & Beschwerden
Bericht: Teil 1 (Therapie): Anfang Juni erzählte mir Herr *** dann, daß er nun eine Karriere als "Fernsehpsychologe" in Angriff nähme. Er hätte ein Angebot von einer Produktionsfirma und wolle sich nun ein zweites Standbein aufbauen, da ihn das reine Psychologen-Dasein schon länger langweilte. Zwei Wochen später, am 23.06.2004, hatte ich wiederum eine Therapiestunde. Herr *** empfing mich bereits mit einem gefüllten Sektglas und bot mir ebenfalls eines an, da es den Pilotfilm zu seiner "Psychologen-Talkshow" zu befeiern gäbe. Ich nahm das Angebot an und so plauderten wir ca. eine dreiviertel Stunde über seine neue Karriere. Aufgrund des schönen Wetters schlug Herr *** vor, mich auf einen Kaffee in der Stadt einzuladen. Ich willigte ein, da ich mir nichts weiter dabei dachte und das Gespräch bis dahin auch sehr angenehm verlaufen war. Im Cafe angekommen, bestellte er zügig zwei Gläser Prosecco und lud mich später noch zum Essen ein. Im Verlauf dieses Gesprächs erzählte er mir einige private Dinge von sich. Zudem machte er mir einige Komplimente ("Sie sind wirklich sehr süß, Frau N.", "Ich glaube, daß Sie noch sensibler sind, als in der Therapie zum Vorschein kommt - das gefällt mir sehr gut", "Sie haben sicherlich ein sehr aufregendes Leben, ich bewundere sie sehr dafür etc.". Im Laufe des Abends berührte er häufig mein Knie und meinen Arm. Auch wenn es sich dabei nicht um offensichtlich eindeutige Berührungen handelte, waren sie meiner Meinung nach unangebracht. Auch bot er mir recht zügig das "Du" an, während er weiter Prosecco bestellte. Insgesamt tranken wir an dem Abend ungefähr 6-7 Gläser Alkohol. Zudem stellte er mir recht unerwartet die Frage, ob ich denn glauben würde, daß die Therapie noch etwas bringen würde. Eher im Scherz und leicht angetrunken antwortete ich recht spontan mit "nein". Anscheinend schloß Herr *** daraus, daß damit die Therapie beendet sei. Im Laufe des Abends erzählte er mir auch, daß er bereits mit zumindest einem weiteren Patienten abends zum Tanzen ausgegangen sei. Er habe diese Idee gehabt, als er merkte, daß er bei dem Patienten in der Therapie nicht vorankam. Dieser sei danach noch zweimal zur Therapie gekommen, hätte diese dann aber abgebrochen. Immerhin habe sich aber daraus eine langjährige Freundschaft entwickelt. Gegen Mitternacht machte ich deutlich, daß ich nun wirklich gehen müßte. Er versuchte, sich mit einem Kuß auf den Mund von mir zu verabschieden, was jedoch mißlang, weil ich gleichzeitig den Kopf wegdrehte. Ich muß zugeben, daß mir erst im Verlaufe der nächsten zwei Tage aufging, daß hier wohl einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen sein konnte. Zumal einer der Gründe für meine Therapie - die Herrn *** durchaus bekannt waren - war, daß ich sozusagen "eine lange Leitung" habe und mich nicht genügend abgrenzen kann. Herr *** wußte sehr gut, daß ich mich zunächst immer höflich und entgegenkommend verhalte, auch wenn die Situation eigentlich zweifelhaft ist. Daran wollte ich in der Therapie gerne arbeiten, damit ich eben in genau solche Situationen in Zukunft nicht mehr gerate. N.N. (anonymisiert, Name und Anschrift sind uns bekannt, 24.8.2004) Bericht, Teil 2 (Beschwerdegang): Sehr geehrte Damen und Herren, aufgrund der Vorkommnisse während meiner Therapie bei Herrn Dipl.-Psych.***, möchte ich hiermit offiziell Beschwerde gegen Herrn *** einreichen. Als Anlage finden Sie einen detaillierten, sachlichen Bericht der Ereignisse, die mich zu diesem Schritt bewogen haben. Ich möchte Sie bitten, mich zu informieren, bevor Sie weitere Schritte einleiten. Für Rückfragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung. Mit freundlichem Gruß, N.N. Die Antwort der Psychotherapeutenkammer lautete wie folgt: Sehr geehrte Frau N., in der vorbezeichneten Angelegenheit
hat sich der Vorstand der Psychotherapeutenkammer nach Vorlage einer
Stellungnahme von Herrn *** eingehend mit Ihrer Beschwerde befasst. Obwohl
eine Verletzung der Herrn *** obliegenden Berufspflichten in dem von Ihnen
geschilderten Verhalten nach Auffassung der Kammer nicht gegeben ist,
sah sich diese allerdings veranlasst, Herrn *** auf die für eine
erfolgreiche Therapie gebotene klare Grenzziehung zwischen beruflichem
und privatem Verhalten allgemein hinzuweisen.
Sie tat noch ein weiteres, was viele KlientInnen nicht tun: sie beschwerte sich bei der zuständigen aufsichtsführenden Stelle, hier der Psychotherapeutenkammer. Diese griff die Beschwerde immerhin auf, verlangte eine Stellungnahme vom Therapeuten und mahnte eine klare Grenzziehung zwischen beruflichem und privatem Verhalten an. Soweit so gut. Erfreulich ist, daß sich Frau N. beschwert hat, und erfreulich ist, daß die Psychotherapeutenkammer (teilweise) im richtigen Sinne Stellung genommen hat. Daß sie der Meinung ist, daß die obliegenden Berufspflichten
vom Therapeuten nicht verletzt wurden, erstaunt (und entsetzt)
zumindest auf den ersten Blick. Unbefriedigend und nicht nur für Betroffene ist, daß es das damit im vorliegenden Fall gewesen sein soll. Denn einwandfrei und professionell war das Verhalten des Therapeuten keinesfalls - vergleiche unseren Psychotherapievertrag. Da die Betroffene die Therapie richtigerweise abbrach, kam es nicht zu Schlimmerem. Aber wir fragen uns natürlich, was geschehen wäre, wenn Frau N. anders reagiert hätte... Und wir meinen, daß von berufsrechtlichen Konsequenzen einmal abgesehen, wenigstens eine »Nachschulung« des Therapeuten angebracht gewesen wäre. Zum Beispiel hinsichtlich des Abstinenzgebots, etwa im Sinne der Berufsordnung von NRW vergleiche §5, Abstinenz. (Red., H.D., 13.05.2005)
AutorIn: H.D. - Text: - Aktualisiert: 13.05.2005
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